Warum Schreibmaschinen?
Tom Hanks, der berühmte Schauspieler, und Paul Auster, der berühmte Schriftsteller, schreiben bzw. schrieben auf mechanischen Schreibmaschinen und begründeten das sehr überzeugend. Davon zu erfahren, brachte mich auf den Gedanken, eine alte schwedische FACIT-Reiseschreibmaschine vom Dachboden zu holen, um das zu erleben, wovon Autoren immer wieder berichten, wenn sie die alten Maschinen benutzen: Das Tempo wird langsamer, Denken und Schreiben geraten in einen synchronisierten Rhythmus und die vermeintliche Perfektion des mit einem Textverarbeitungsprogramm geschriebenen Textes weicht einem rohen Entwurf, der überarbeitet und gründlich verbessert werden muss. Erst dann, wenn handschriftliche Korrekturen eingetragen, ganze Sätze gestrichen und Wörter ersetzt sind, übertrage ich den Text in eine Computerdatei. Schreibmaschinen stellen für mich das ideale Zwischenmedium zwischen handschriftlichen Notizen und der Textverarbeitung auf einem Rechner dar. 2014 begann ich, alte Schreibmaschinen zu sammeln, und konzentrierte mich dabei auf leichte Reiseschreibmaschinen der 50er- und 60er-Jahre. Jede Maschine, die bei mir eintraf, erzählt eine Geschichte. Die daro Erika auf dem folgenden Bild stammt aus der DDR, war sehr gepflegt, roch aber beim Öffnen des Koffers nach billigen Zigarren. Sofort kamen Gedanken auf: Wer mag damals auf der Maschine geschrieben und das gute Stück so pfleglich behandelt, aber intensiv genutzt haben? Ein Mann, sicherlich, kein junger Mann, ein Stumpenraucher, der intensiv tippte und dem die Maschine viel wert war. Kein Student - Stumpen sind nichts für junge Männer -, aber was schrieb der Mann mittleren oder fortgeschrittenen Alters so intensiv? Keinen Bürokram, dafür war die Maschine zu leicht und hatte keine ausgefeilte Tabulatorfunktion, aber was schrieb er dann? Subversive Texte, Lyrik, Briefe?



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